Montag, 5. Juni 2017

Die Sache mit dem Neid

Hallo, Bernadette hier!
Schön, dass du hier bist, um diesen Post zu lesen! :)

Neid.
Ich denke, er ist vielen bzw. allen von euch ein Begriff. Oft hört man: "Du bist doch nur neidisch.", oder: "Hör nicht auf die Neider", oder: "Ich erblasse vor Neid."
Wie definiert DUDEN Neid?

Empfindung, Haltung, bei der jemand einem andern dessen Besitz oder Erfolg nicht gönnt und selbst haben möchte

Neid hat also mit Emotionen zu tun; sie können wie ein ungezähmtes Pferd sein: Du hast keine Ahnung, wann es ausschlägt und dich trifft... vielleicht passiert das in einem Moment, wo du es am wenigsten erwartest.
Ich stellte mir die Frage: "Wo kann man denn mit Neid rechnen"
Mir kamen sofort die "social media" in den Sinn: Facebook, Instagram, Youtube, Twitter,...und wie sie alle heißen. Das sind alles Plattformen, in denen Menschen sich virtuell aufhalten und ebenso virtuell festhalten können, was sie alles erlebt haben. In den meisten Fällen können alle, die darauf zugreifen, das sehen.
Sicherlich kommt es auch darauf an, wieviel du vom Erlebten bzw. von dir selber preisgibst, aber darum soll es in diesem Post nicht gehen. Vielmehr nehmen wir die Reaktionen auf das Preisgegebene in den Blick. Wie reagierst du darauf, wenn jemand ein tolles Erlebnis postest? Was macht das mit dir?
Vielleicht willst du dich nicht auf dieses gedankliche Experiment einlassen und noch weniger würdest du die Antwort laut vor jemand anderem aussprechen. Das ist sehr verständlich. 
Deshalb schauen wir uns das Beispiel einer Mutter mit Kind an. Der Alltag ist um das Kind organisiert (was gut und wichtig ist). Die Konsequenz daraus ist, dass sie sich selber zurücknehmen muss. Dinge wie spontane Aktivitäten, schnell mal in den Zug-Spring-Aktionen oder nächtliches Umherstreunen fallen erst einmal flach. Und so steigt sie auf Facebook, Youtube und Instagram ein und sieht, wie Freunde bzw. Bekannte auf Reisen gehen, wie sie Studien abschließen, Lieder/Bücher schreiben, Ausstellungen geben, Spaß haben. Sie sitzt vor dem Bildschirm und merke, wie sie plötzlich von einem ungezäumten Pferd getroffen werde. Autsch...hallo Neid! So habe ich es selbst erlebt.

Warum schreibe ich das? Mir geht es darum, die Dinge beim Namen zu nennen. Indem ich das schreibe, blicke ich selber auf meine Situation. Ich bin nämlich der Ansicht, dass das Ansehen und Offenlegen von Emotionen wie Neid in diesem Fall schon ein guter Schritt sind. Neid unterdrücken oder ignorieren kann eher nach hinten los gehen. Sind dir Kain und Abel ein Begriff? Keine Angst, das ist kein Bibelquiz :) Ich möchte dir nur diese Geschichte aus der Bibel zeigen:

Und es geschah nach einiger Zeit, da brachte Kain von den Früchten des Ackerbodens dem HERRN eine Opfergabe.4 Und Abel, auch er brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der HERR blickte auf Abel und auf seine Opfergabe;5 aber auf Kain und auf seine Opfergabe blickte er nicht. Da wurde Kain sehr zornig, und sein Gesicht senkte sich.6 Und der HERR sprach zu Kain: Warum bist du zornig, und warum hat sich dein Gesicht gesenkt?7 Ist es nicht so, wenn du recht tust, erhebt es sich4? Wenn du aber nicht recht tust, lagert die Sünde vor der Tür. Und nach dir wird ihr Verlangen sein, du aber sollst über sie herrschen. (Gen 4,3-7)
Ich meine herauszulesen, dass Kain von Neid auf seinen Bruder überfallen wurde. Warum Gott auf Abels Opfergabe und nicht auf Kains schaute, geht daraus nicht hervor. Wir wissen es nicht, und darum soll es nicht gehen. Kain kann nicht mitansehen, wie Abel etwas Schönes erlebt. Er fühlt sich zurückgesetzt. Er möchte selbst von Gott mit Wohlwollen betrachtet werden. Hier wirft sich bei mir die Frage auf: Blickt Gott wirklich nicht auf Kain und seine Opfergabe oder nimmt Kain es nur so wahr? Mir gibt diese Frage sehr zu denken. Warum sollte Gott Kain denn dann auf seinen Neid in den Versen 6 und 7 aufmerksam machen?
Warum bist du zornig, und warum hat sich dein Gesicht gesenkt? Ist es nicht so, wenn du recht tust, erhebt es sich4? Wenn du aber nicht recht tust, lagert die Sünde vor der Tür. Und nach dir wird ihr Verlangen sein, du aber sollst über sie herrschen.
"Du aber sollst über sie herrschen." Herr-schen. Gott möchte, dass Kain Herr über seinen Neid wird. Ihm ist nicht egal, was mit Kain passiert!

Diese Geschichte zeigt, dass wir, dass ich, dass du nicht dem Neid ausgeliefert bist. Das ist doch toll, oder? :) An sich ist des Empfinden von Neid nichts Schlechtes. Emotionen sind nichts Schlechtes. Sie weisen auf etwas in deinem Innenleben hin. Doch wie du darauf reagierst - das sehen wir auch an Kains Beispiel - ist entscheidend. Kain hat dem Neid nachgegeben und seinen Bruder erschlagen. Normalerweise bringt dich der Neid wahrscheinlich nicht dazu, zum Mörder zu werden. Zumindest physisch nicht. Es kann aber durchaus sein, dass gedanklich manche Menschen oder Ereignisse für dich gestorben sind, weil sie sooo toll sind und du nicht daran teilhast. Sonst erträgst du deinen Neid nicht.Kann das eine Lösung sein? Ich glaube nicht.

Ich möchte dich, mich, uns ermutigen, OFFENSIV mit Neid umzugehen! Und zwar positiv offensiv! Hier sind ein paar Vorschläge:

  • Neid als Sehnsucht formulieren
Letztlich weist dich Neid auf eine Sehnsucht hin, die nicht erfüllt ist. Formuliere sie gedanklich oder noch besser verbal. Sprich sie aus-für dich oder vor einer vertrauten Person: 
 "Ich sehne mich danach / ich wünsche mir so sehr, XY..." Allein das Ausformulieren kann viel bewirken.
  • Decke Selbstmitleid/Opfermentalität auf
Vielleicht denkst du dir so wie ich manchmal: "Boa, ich bin so arm. In meiner Situation kann ich einfach nicht XY und ich sehe, wie die Leute XY. Das ist so gemein. Ich stecke in meiner *** fest..." Ja, du empfindest es so und diese Empfindung ist keine Einbildung, klar. Aber-entspricht deine Empfindung der Realität? Ist es wahr, was du denkst? Bist du wirklich so arm?

  • Schau auf das, was du hast und wer du bist
Leider sind wir Menschen so vergesslich. Es passieren uns viele wunderbare Dinge und gerade in schweren Situationen vergessen wir sie. Ich glaube, dass ist eines der fatalsten Sachen, die einem passieren können: das Gute, das dir bis jetzt widerfahren ist, zu vergessen und so zu leben, als wäre dir das nie passiert. Klingt das nicht wie eine Lebenslüge? Belüge ich mich damit nicht selbst? Deshalb: Erinnere dich, was dir Gutes widerfahren ist! Schreib es auf, male es auf, halte es fest und denk daran! Daraus kann Dankbarkeit erwachsen und dir ein Werkzeug zum Umgang mit Neid geben

  • Wandle Neid in Freude um!
Wenn du Freunde oder Leute beneidest, die du im Alltag oft siehst, dann freu dich mit ihnen mit! Vielleicht ist dir nicht immer danach. Mir ist auch nicht immer danach zu lieben. Aber wenn man nur nach einer Laune ginge, würde man nicht sehr weit gekommen... oder? Was meinst du? Ich glaube zutiefst, dass Liebe eine Entscheidung ist. Freude ist auch eine Entscheidung! Emotionen können natürlich mit dabei sein, aber sie sind nicht ausschlaggebend! Ich möchte uns ermutigen, auf Menschen zuzugehen und zu sagen: "Hey, ich freue mich sooo mit dir/es ist soo genial, dass XY!" Mach das und warte ab, was das mit dir macht... :)

Ich hoffe, das Geschriebene hat dich ermutigt, positiv offensiv mit Neid umzugehen! Was waren deine Erfahrungen mit Neid? Hast du Tipps, die im Umgang damit helfen können? Ich freue mich, wenn du einen Kommentar schreibst! :)

Deine Bernadette